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Meistersiegel der Nürnberger Steinmetzbruderschaft[edit | edit source]
Zum Projekt[edit | edit source]
In der am Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) hat sich ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“ erhalten. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein. Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzausbildung angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.
Im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der Technischen Universitätsbibliothek Hannover (TIB) aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und dient wegen des individuellen Merkmals sogenannter Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücke als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.
Die hier zugängliche WIKIBASE-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen. Auf diese Weise ergeben sich aus einer fokussierten Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Proberissen neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit.
Die Proberisse[edit | edit source]
Bei dem Hannoveraner Konvolut der Nürnberger Proberisse handelt es sich um Planzeichnungen unterschiedlicher Urheber und Entstehungszeiten, die in Formaten, Ausführung und Inhalten annähernd gleiche Merkmale zeigen. Gemeinsam mit einem vergleichbar großen Konvolut, das sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (HB17774-17805) befindet, dürfte es sich um die letzten erhaltenen Bestände aus dem ehemaligen, vermutlich spätestens im Verlauf des frühen 19. Jahrhunderts aufgelösten Archiv der Nürnberger Steinmetzbruderschaft handeln. Auf Blättern beider Konvolute zeigen sich Spuren eines älteren Wasserschadens. Vorherrschend ist ein Großformatbogen aus Hadernpapier von ca. 62 x 46 cm, einige Blätter liegen mit ca. 70 x 50 cm darüber. Daneben findet sich ein kleineres Format, das in seinen Abmessungen durchschnittlich ca. 49 x 35 cm beträgt. Alle Zeichnungen sind als maßstäbliche Risse in Feder mit brauner oder schwarzer Tinte ausgeführt, nur in seltenen Fällen finden sich Schraffierungen oder Lavierungen. Schriftliche Einträge in Kurrentschrift sind nur auf zwei Blättern vorhanden (gr D Z 1: 32 und gr D Z 1: 16). Dabei handelt es sich ausschließlich um Angaben von Maßen (angegeben werden „Hendt“, „Zoll“ und „schuch“). Auf siebzehn Blättern ist ein Maßstab (zumeist ohne Bezifferung) eingezeichnet, zusätzlich findet sich auf vierzehn Blättern ein Achtort bzw. eine Schlüsselfigur, in der Maßwerk- und Rippenprofile eingeschrieben oder abgeleitet sind. Musterhaft werden auf den Blättern die Verfahren der Quadratur, Triangulatur und des Zirkelschlags angewandt. Sie werden in Musteraufgaben am Beispiel des Grund- und Aufrisses zu einer mehrjochigen Choranlage (19 Blätter) und zu Gewölben mit ihren Bogenaustragungen auf rechteckigen Grundflächen (10 Blätter) demonstriert. Darüber hinaus finden sich aber auch fünf Blätter mit Grundrissen und einer Hauptfassade eines vierstöckigen Bürgerhauses. Dass die Tradition des Proberisses nach gotischen Mustervorlagen besonders im süddeutschen Raum noch bis in das 18. Jahrhundert fortgeführt wurde, kann im Fall des Hannoveraner Konvoluts anschaulich auch anhand der Wasserzeichen der verwendeten Blätter nachvollzogen werden. Etwa die Hälfte zeigt das Wasserzeichen der ab etwa 1550 produzierenden Weidenmühle in Nürnberg und dürfte damit in den Zeitraum der letzten Jahrzehnte vor und um 1600 bearbeitet worden sein, doch finden sich Blätter aus deutlich jüngerer Papierfabrikation des beginnenden 18. Jahrhunderts. Damit deckt das Konvolut einen Entstehungszeitraum von gut zweihundert Jahren ab.
Die Proberisse sind Zeugnisse einer Entwicklung im Steinmetzhandwerk, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts einsetzt: Die Nürnberger Steinmetzbruderschaft galt seit dem Spätmittelalter als eigene buchführende Hütte und war der Gerichtsbarkeit der Straßburger Haupthütte unterstellt. Bestrebungen nach Eigenständigkeit, nach qualitativen Standards und auch die städtischen Interessen zeigen sich in den städtischen Handwerksordnungen, die in Bezug auf die Steinmetze 1548, 1555 und 1577 ausformuliert wurden. Daneben versuchten sich die Steinmetze gegenüber des in der Stadt ebenfalls ansässigen Steinhauerhandwerks abzugrenzen, das eine geringere Lehrzeit erforderte. Schon 1507 wurde in Nürnberg das Meisterstück als Zugang zur Meisterschaft eingeführt. Um den Anforderungen an die Aufgaben des Steinmetzen als praktizierenden Baumeister Rechnung zu tragen, traten neben den tradierten mittelalterlichen Verfahren des Gewölbe- und Maßwerkentwurfs über die Bogenaustragung und Quadratur weitere Prüfungsaufgaben hinzu: Gefordert wurde neben dem Aufriss eines Kirchturms auch die Ausarbeitung eines musterhaften Bürgerhauses in drei Grundrissen und dem Aufriss der Hauptfassade zum Nachweis der Kenntnis der in der Stadt gebräuchlichen Hausanlagen und ihrer Errichtung. Noch im 18. Jahrhundert umfasste das Meisterstück dreizehn Planzeichnungen/Planrisse und dazu drei Holz-, bzw. Alabastermodelle. Neben der Anfertigung der Proberisse und Modelle als Meisterstück umfasste die Prüfungsleistung noch eine mündliche Befragung. Die Herstellung der Meisterstücke und die Prüfung erfolgten im Haus eines der Geschworenen, der für die etwa zweimonatige Anfertigungsdauer auch Miete verlangte. Die prüfenden geschworenen Meister der Steinmetzbruderschaft – in Nürnberg waren dies drei Personen – versahen die ihnen zur Approbation vorgelegten Pläne abschließend zumeist mit ihren Meisterzeichen. Dies geschah als Nürnberger Eigenart in der Regel über das Eindrücken ihrer Siegel als Blindsiegel in das Papier.
Die Siegel und ihre Siegler[edit | edit source]
Auf insgesamt 18 der 34 Hannoveraner Blätter sind Siegelabdrücke zu finden. Ihre Größe deutet darauf hin, dass sie von Siegelringen stammen und auf diese Weise relativ einfach fest in das Papier eingedrückt werden konnten. Zumeist sind es jeweils drei Siegel, die nebeneinander unterhalb oder oberhalb der Zeichnungen nahe an den Blatträndern eingeprägt wurden. Auf den Blättern lassen sich 18 unterschiedliche Siegel identifizieren und beschreiben, weitere drei sind aufgrund von Beschädigungen nur rudimentär erhalten oder nicht erkennbar und konnten nicht zugeordnet und beschrieben werden (MS-018, MS-019, MS-021). Außerhalb des Bestands bekannte weitere neun Siegel bildete Carl Heideloff in seiner Publikation „Die Bauhütte des Mittelalters“ (Nürnberg 1844) ab. Eines davon ist identisch mit einem der Siegel auf den Hannoveraner Blättern (MS-010), ein weiteres Siegel erfasste Heideloff wohl unbeabsichtigt doppelt (MS-024). Anhand des Wasserzeichens lassen sich drei Siegel in die Zeit um 1700 datieren (MS-009, MS-010, MS-011), während die übrigen teilweise deutlich älter sind und in einigen Fällen mit in Nürnberg wirkenden Steinmetzmeistern aus dem späten 16. Jahrhundert und frühen 17. Jahrhundert konkret in Verbindung gebracht werden können. Zu nennen sind beispielsweise Wilhelm Beer (MS-006), Andreas Mendel (MS-007) oder Wolf Speer (MS-008), die auf der im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg heute noch erhaltenen Zunfttafel (Urte) der Nürnberger Steinmetzen und Steinhauer namentlich aufscheinen. Weitere Siegler entstammen der auf sie folgenden Generation von Steinmetzmeistern in der Bruderschaft. Anhand der erfassten Siegel lässt sich nachvollziehen, wie Marken weitergegeben wurden (MS-010, MS-023) und mitunter auch durch Beizeichen erweitert werden konnten (z.B. im Fall Andreas Mendels (MS-007, MS-016).
Zur Beschreibung der Siegel[edit | edit source]
Die Nürnberger Meistersiegel weisen bis auf wenige Ausnahmen die gleiche Grundform und Größe auf. In einer leicht ovalen Rahmung werden Initialen und Figuren zu individuellen Motivengruppen zusammengesetzt. In den meisten Fällen bildet das Steinmetzzeichen als traditionelles Meisterzeichen der Steinmetzbruderschaften, bzw. der Steinmetz- und Steinhauerzünfte, das zentrale Element des Siegels. Daneben finden sich oft zwei bis drei Initialen in lateinischen Großbuchstaben. Mitunter werden diese monogrammartig mit einer Marke verschränkt. In nur wenigen Fällen tritt eine Figur, z.B. ein Bär (MS-006), an die Stelle der Steinmetzmarke. Als weitere Beizeichen weisen viele Motive begleitende Sterne auf, die vermutlich auf den Rang des Sieglers innerhalb der Bruderschaft hindeuten. Unter den erfassten Nürnberger Meistersiegeln finden sich Marken mit ein, zwei, drei oder sechs begleitenden Sternen.
Bei der Beschreibung der Siegel werden zur Vereinheitlichung fünf Kategorien unterschieden: 1) Abmessungen, 2) Rahmenform, 3) Marke/Figur, 4) Initiale, 5) Beizeichen. Das Steinmetzzeichen setzt sich in der Regel aus Strichen zusammen, die zu geometrischen Figuren kombiniert werden. Damit gleichen sie in ihrem Wesen und Herkunft der sogenannten Hausmarke. Die Hausmarke, auch als Hofmarke bekannt, gehört zu den ältesten überlieferten heraldischen Abzeichen und lässt sich in ihrer Entstehung im nord- und mitteleuropäischen Raum bis in vorgeschichtliche Zeit zurückverfolgen. Die Hausmarke diente zur Kennzeichnung von Eigentum und wurde auch als Sippenzeichen innerhalb des Hofs bzw. des Geschlechts zumeist über die männliche Linie vererbt. Auch in Nürnberg gab es eine lange Tradition solcher Haus- und Meistermarken. Die Beschreibung der Marke folgt im Wesentlichen den festgelegten terminologischen Richtlinien der Heraldik. Wie in der Blasonierung üblich, wird das Motiv über seine heraldisch linke und rechte Seite beschrieben, wobei heraldisch rechts als „vordere“ und heraldisch links als „hintere“ Seite bezeichnet werden. Grundelemente der Marke sind der (zumeist lotrechte) Schaft, die Sprosse (waagerecht) und die Strebe, bzw. Abstrebe. Zur weiteren Terminologie der Elemente und ihrer Kombinationen sei auf das Glossar verwiesen. Die Beschreibung der Marken reicht in der Regel bis zur detaillierten Benennung der Endungen von Sprossen oder Streben. Im Fall der Meistermarken sind diese fast immer „rechtschnittig getatzt“ (siehe Glossar), so dass hier auf die genaue Beschreibung verzichtet wurde.
Die Meistersiegel[edit | edit source]
Das Glossar[edit | edit source]
Das Glossar stellt die wesentlichen Elemente der Haus- bzw. Steinmetzmarke mit ihren Begriffen in einer schematischen Übersicht dar. Für bestimmte Motive werden alternativ verwendete oder umgangssprachliche Bezeichnungen genannt. Ergänzend zur formalen Bezeichnung wird die beschreibende Wortfolge angeboten. Da die Steinmetzmarken in der Regel ursprünglich für die Ausführung im Stein vorgesehen waren, ist der Variantenreichtum und Detaillierungsgrad nicht ganz so ausgeprägt, wie es für die Hausmarken generell der Fall ist. Daher wurde im Glossar auf die Aufnahme komplexerer Kombinationen mit ihren entsprechenden Fachtermini oder Beschreibungen verzichtet. Hier sei weiterführend auf die Fachliteratur zur Heraldik verwiesen.
Literatur[edit | edit source]
Ludwig Biewer, Eckart Henning: Wappen. Handbuch der Heraldik. 20., überarbeitete und neugestaltete Auflage der Wappenfibel von A. M. Hildebrandt, Köln/Weimar/Wien 2017
Werner Broda (Hrgs.): Dreiecksverhältnisse. Architektur- und Ingenieurzeichnungen aus vier Jahrhunderten (= Ausstellungskataloge des Germanischen Nationalmuseum Nürnberg), Nürnberg 1996
Václav Vok Filip: Einführung in die Heraldik (= Historische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen. Band 3), Stuttgart 2005
Peter Fleischmann: Das Bauhandwerk in Nürnberg vom 14. bis 18. Jahrhundert, Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte, Bd. 38, Nürnberg 1985
Carl Heideloff: Die Bauhütte des Mittelalters, Nürnberg 1844
Carl G. Homeyer: Die Haus- und Hofmarken, Berlin 1870
Werner Müller: Die Zeichnungsvorlagen für Friedrich Hoffstadts „Gothisches A.B.C.-Buch“ und der Nachlaß des Nürnberger Ratsbaumeisters Wolf Jacob Strohmer (1561-1614), in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 28 (1975), S. 39-54
Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim u. a. 1985
Simon Paulus: Nachgotische Proberisse der Nürnberger Steinmetzbruderschaft, in: Markus Jager, Simon Paulus (Hrgs.): Architekturzeichnungen der Sammlung Albrecht Haupt, Petersberg 2023, S. 292-295
Klaus Pechstein: Allerlei Visierungen und Abriß wegen der Fleischbrücken, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums (1975), S. 72-89
Peter Pfau: das gotische Steinmetzzeichen, Leipzig 1895
Peter Zahn: Die deutschen Inschriften: DI (Band 68 = Münchener Reihe, 11. Band, Nürnberg, Teilband 2) (1581-1608), Wiesbaden 2008
Peter Zahn: Die deutschen Inschriften: DI (Band 90 = Münchener Reihe, 16. Band, Nürnberg, Teilband 3) (1609-1650), Wiesbaden 2014





















